Liebe erfahrene Spieler, wir kennen das Gefühl: Die Walzen drehen sich, die Karten werden gegeben, und manchmal läuft es einfach nicht. Doch was, wenn aus einem schlechten Lauf ein Muster wird, das sich auf andere Lebensbereiche auswirkt? Auch als erfahrener Spieler kann man in die Falle der Glücksspielsucht tappen. Es ist keine Schande, dies zu erkennen und Hilfe zu suchen. Im Gegenteil, es zeugt von Stärke und Selbstkenntnis. Wir möchten heute über Therapieformen bei Glücksspielsucht sprechen, denn auch für Profis ist es wichtig, die Anzeichen zu erkennen und zu wissen, wo man Unterstützung findet. Eine hervorragende Anlaufstelle für erste Informationen und weiterführende Hilfe kann beispielsweise https://www.michaela-engelmeier.de/ sein.
Warum auch erfahrene Spieler betroffen sein können
Man könnte meinen, dass erfahrene Spieler aufgrund ihres Wissens über Quoten, Strategien und das “Haus” weniger anfällig sind. Doch die Psychologie hinter der Sucht ist komplexer. Der Nervenkitzel, die Jagd nach dem großen Gewinn, das Gefühl der Kontrolle (auch wenn es eine Illusion ist) und die soziale Komponente können auch langjährige Spieler in ihren Bann ziehen. Manchmal ist es der Versuch, Verluste wieder hereinzuholen, oder der Wunsch, dem Alltag zu entfliehen. Die Gründe sind vielfältig, die Auswirkungen jedoch oft ähnlich.
Die ersten Schritte: Erkennen und Akzeptieren
Der wohl schwierigste, aber wichtigste Schritt ist die Erkenntnis, dass ein Problem besteht. Das Leugnen ist ein häufiger Begleiter der Sucht. Fragen Sie sich ehrlich:
- Verbringen Sie mehr Zeit mit Glücksspielen, als Sie eigentlich möchten?
- Haben Sie versucht, mit dem Spielen aufzuhören oder es zu reduzieren, aber es nicht geschafft?
- Verheimlichen Sie Ihr Spielverhalten vor Familie oder Freunden?
- Haben Sie finanzielle Probleme aufgrund des Glücksspiels?
- Vernachlässigen Sie Hobbys, Arbeit oder soziale Kontakte wegen des Spielens?
Wenn Sie eine oder mehrere dieser Fragen mit Ja beantworten, könnte es an der Zeit sein, über professionelle Hilfe nachzudenken.
Vielfältige Therapieformen bei Glücksspielsucht
Glücklicherweise gibt es eine Reihe effektiver Therapieansätze, die auf die individuellen Bedürfnisse zugeschnitten werden können. Es gibt nicht die „eine“ richtige Therapie, sondern es geht darum, den Weg zu finden, der für Sie am besten funktioniert.
Kognitive Verhaltenstherapie (KVT)
Die KVT ist eine der am häufigsten eingesetzten und wirksamsten Therapieformen bei Suchterkrankungen, einschließlich der Glücksspielsucht. Sie konzentriert sich darauf, negative Denk- und Verhaltensmuster zu erkennen und zu verändern.
- Identifikation von Auslösern: Gemeinsam mit dem Therapeuten werden Situationen, Gedanken oder Gefühle identifiziert, die zum Spielen anregen.
- Entwicklung von Bewältigungsstrategien: Es werden neue Wege erlernt, mit diesen Auslösern umzugehen, ohne zum Glücksspiel zu greifen. Das können Entspannungstechniken, Problemlösungsstrategien oder das Aufbauen neuer Hobbys sein.
- Veränderung von Denkmustern: Unrealistische Erwartungen an Gewinne oder das Gefühl, Verluste durch weiteres Spielen ausgleichen zu können, werden hinterfragt und korrigiert.
Motivierende Gesprächsführung (MI)
Diese Therapieform zielt darauf ab, die eigene Motivation zur Veränderung zu stärken. Der Therapeut unterstützt dabei, die eigenen Gründe für eine Verhaltensänderung zu finden und zu festigen, anstatt Ratschläge zu erteilen. Dies ist besonders hilfreich, wenn noch Ambivalenzen bezüglich des Aufhörens bestehen.
Psychodynamische Therapie
Im Gegensatz zur KVT, die sich auf aktuelle Verhaltensweisen konzentriert, erforscht die psychodynamische Therapie tiefere, unbewusste Konflikte und frühere Lebenserfahrungen, die zur Sucht beitragen könnten. Sie geht davon aus, dass die Sucht ein Symptom für zugrunde liegende psychische Probleme ist.
Gruppentherapie und Selbsthilfegruppen
Der Austausch mit anderen Betroffenen kann eine enorme Unterstützung sein. In Gruppentherapien oder Selbsthilfegruppen wie den Anonymen Glücksspielern (GA) finden Sie Verständnis, können Erfahrungen teilen und voneinander lernen. Die Erkenntnis, nicht allein zu sein, ist oft ein wichtiger Schritt zur Genesung.
- Anonyme Glücksspieler (GA): Ähnlich den Anonymen Alkoholikern bieten GA-Treffen einen sicheren Raum für den Austausch und die gegenseitige Unterstützung auf Basis der 12-Schritte-Programme.
- Gruppentherapie: Unter Anleitung eines Therapeuten werden in der Gruppe spezifische Themen bearbeitet und soziale Kompetenzen gestärkt.
Medikamentöse Unterstützung
In einigen Fällen kann eine medikamentöse Unterstützung sinnvoll sein, insbesondere wenn Begleiterkrankungen wie Depressionen, Angststörungen oder ADHS vorliegen. Medikamente können helfen, Symptome zu lindern und die psychotherapeutische Behandlung zu unterstützen. Dies geschieht immer in Absprache mit einem Arzt und einem Psychiater.
Ambulante vs. Stationäre Therapie
Die Wahl zwischen ambulanter und stationärer Therapie hängt vom Schweregrad der Sucht und den individuellen Lebensumständen ab.
- Ambulante Therapie: Hierbei besuchen Sie regelmäßig Therapiesitzungen, leben aber weiterhin zu Hause und gehen Ihren Alltagsaktivitäten nach. Dies ist oft eine gute Option für Personen, die noch in der Lage sind, ihren Alltag zu strukturieren und ein unterstützendes Umfeld haben.
- Stationäre Therapie: Bei einer stationären Behandlung leben Sie für einen bestimmten Zeitraum in einer spezialisierten Klinik. Dies bietet eine intensive Betreuung, einen geschützten Rahmen und die Möglichkeit, sich voll und ganz auf die Genesung zu konzentrieren. Sie ist oft notwendig bei schwerer Sucht, fehlender Unterstützung im häuslichen Umfeld oder bei Begleiterkrankungen.
Wichtige Aspekte der Therapie
Unabhängig von der gewählten Therapieform gibt es einige übergreifende Aspekte, die für den Erfolg entscheidend sind:
- Abstinenz: Das primäre Ziel ist in der Regel die vollständige Abstinenz vom Glücksspiel. Dies erfordert oft das Blockieren von Online-Zugängen, das Meiden von Spielhallen und Casinos sowie das Delegieren von Finanzangelegenheiten an eine Vertrauensperson.
- Umgang mit Rückfällen: Rückfälle sind Teil des Genesungsprozesses und keine Katastrophe. Wichtig ist, daraus zu lernen und die Strategien anzupassen.
- Aufbau neuer Lebensinhalte: Das Glücksspiel hat oft eine große Leere im Leben hinterlassen. Es ist wichtig, diese Leere mit neuen, positiven Hobbys, sozialen Kontakten und Zielen zu füllen.
- Einbeziehung des Umfelds: Familie und Freunde können eine wichtige Stütze sein. Eine Paar- oder Familientherapie kann helfen, Vertrauen wieder aufzubauen und Kommunikationsmuster zu verbessern.
Fazit: Ein Weg zur Selbstbestimmung
Liebe erfahrene Spieler, die Erkenntnis, dass Sie ein Problem mit Glücksspiel haben, ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Stärke. Es ist der erste Schritt zu einem selbstbestimmten Leben, in dem das Glücksspiel nicht mehr die Kontrolle hat. Die Vielfalt der Therapieformen bietet für jeden den passenden Ansatz. Zögern Sie nicht, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Es gibt qualifizierte Therapeuten, Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen, die Ihnen auf diesem Weg zur Seite stehen. Nehmen Sie Ihr Leben wieder selbst in die Hand – es ist Ihr wertvollster Einsatz.
Denken Sie daran: Hilfe ist verfügbar, und ein Leben ohne die Fesseln der Glücksspielsucht ist absolut erreichbar. Es erfordert Mut, aber es lohnt sich. Sprechen Sie mit einem Arzt, einem Therapeuten oder einer Beratungsstelle. Der erste Schritt ist oft der schwerste, aber auch der entscheidendste.
